Begrenzte Perspektiven des Ego-Fahrzeugs
Die Perspektive des betrachteten hochautomatisierten Fahrzeugs, auch Ego-Fahrzeug genannt, ist jedoch begrenzt, da die Sensoren die Außenwelt hauptsächlich aus dem Blickwinkel dieses Fahrzeugs erfassen. Diese Sensoren haben inhärente Grenzen, z. B. Wetterbedingungen, komplexe Verkehrssituationen oder potenzielle Ausfälle in Form von SOTIF-Fehlern (Safety Of The Intended Functionality). Die Einbeziehung von Daten aus nahegelegenen Quellen mit unterschiedlichen Blickwinkeln wird mit großer Wahrscheinlichkeit die Genauigkeit des Umgebungsmodells verbessern.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, zwischen drei verschiedenen Wahrnehmungsbereichen zu unterscheiden: Nahbereich, Mittelbereich und den Bereichen außerhalb der Sichtlinien.
Der Nahbereich bezieht sich auf Objekte, die sich in unmittelbarer Nähe des Ego-Fahrzeugs befinden. Diese Objekte in ihrer Gänze zu erkennen und zu erfassen, stellt eine besondere Herausforderung dar, da ihre Größe oder Form über das direkte Sichtfeld des Sensors im Fahrzeug hinausgeht. Daher ist eine verbesserte hochpräzise Objekterkennung im Nahbereich ein wichtiges Ziel für hochautomatisierte Fahrsysteme.
Die Objekte im Mittel- und Fernbereich des Ego-Fahrzeugs lassen sich leichter vom Sensor in ihrer Gänze erfassen. Je nach Sensortechnologie können jedoch andere Probleme auftreten, wie z.B. Fake-Echos oder wetterbedingte Unschärfen. Ein lokaler Ansatz zur Minimierung dieser Effekte ist die Sensorfusion der verschiedenen Sensortechnologien innerhalb eines Fahrzeugs.
- Bereich außer Sichtweite:
Die Sensortechnologien im Ego-Fahrzeug funktionieren nicht bei Objekten, die sich in der Nähe, aber außerhalb des Sichtbereiches befinden. Außerhalb des Sichtbereichs kann bedeuten, dass sich Objekte hinter Lastwagen oder Bussen, hinter Gebäudeecken oder hinter Vegetation (z. B. Grünstreifen mit Büschen) befinden, wobei je nach Sensortyp Unterschiede in der Sichtbarkeit auftreten können.
Verbesserte Umgebungsmodelle dank externer Daten
Um diese Probleme zu adressieren, bietet sich der Austausch von Sensordaten zwischen Fahrzeugen (V2V) sowie zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur (V2I) an. Noch ungelöst ist dabei die Frage des gegenseitigen Vertrauens und nach der Qualität der Daten aus diesen externen Quellen.
Die Fahrzeughersteller sind verpflichtet, die funktionale Sicherheit ihrer Fahrzeuge, der entsprechenden Sensoren/Geräte sowie der automatisierten Fahrsysteme nachzuweisen. Sich auf externe Sensordaten zu verlassen, widerspricht dieser Anforderung, da die Qualität der Daten, die Umstände der Erfassung und die verwendeten Geräte oder Algorithmen dem empfangenden Ego-Fahrzeug nicht bekannt sind.
In diesem Artikel wird eine Methode vorgeschlagen, wie das Umgebungsmodell der Fahrzeuge mit externen Daten verbessert werden kann, ohne das Risiko für die funktionale Sicherheit durch minderwertige externe Daten zu erhöhen. Zunächst werden die beiden Konzepte „Local Dynamic Map“ als Form des Umgebungsmodells und “Confidence Level“ als Maß für die Vertrauenswürdigkeit erklärt. Danach wird die Methode mit Hilfe dieser Konzepte vorgestellt.